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  • #16
    Die Sache mit der Amplifikation durch Hörhilfen ist nicht ganz von der Hand zu weisen. So scheinen etwa Cochlea Implantate gegen Tinnitus wirken zu können. Das macht aber nur Sinn, wenn durch einen starken Hörverlust ohnehin eine Indikation für ein Cochlea Implantat besteht.

    Bei Tinnitus gibt es eine einzige positive Seite: Bei den meisten Betroffenen tritt spätestens innerhalb von 2 Jahren eine Habituation an das Geräusch auf. Darauf kann man hoffen, während ich nicht daran glaube, dass es mittelfristig breit verfügbare Therapien geben wird, die den Tinnitus wirklich leiser machen können. Mit etwas Glück wird es vielleicht invasive Therapien für Schwerstbetroffene wie etwa Tiefenhirnstimulation geben.

    Leute wie Langguth haben zwar in den letzten Jahren den Anspruch erhoben Tinnitus heilen zu wollen, aber wie viele Forscher haben sie wohl gemerkt, dass Tinnitus eine Nummer zu groß für sie ist. Dabei halte ich Langguth sogar noch für einen der seriöseren Leute und nicht einen der vielen Abzocker.

    Hypnose ist übrigens auch eher ein Reinfall. Mir ist keine Erkrankung bekannt bei der Hypnose als Therapie der Wahl gelten würde oder qualitativ ausreichende Studien eine Wirksamkeit bestätigen.
    Zuletzt geändert von Der Gepeinigte; 02.12.2018, 18:59.

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    • #17
      Zitat von Der Gepeinigte Beitrag anzeigen
      Ich kann mich ehrlich gesagt auch im Moment an niemandem hier im Forum erinnern, der auf Noiser schwört.
      Dann möchte ich mich hier einmal in das Thema einklinken, auch wenn ich sehr selten etwas zum Tinnitus schreibe.
      Ich leide seit über 50! Jahren daran, hatte aber bis 2013 einen kompensierten T. , d.h. er schränkte mich keineswegs ein. 2013 kam dann leider die große Veränderung und anders als vom "Gepeinigten" -der Name alleine erschreckt schon jeden T-Patient- war gerade der Noiser für mich der Fels in der Brandung. Natürlich geht dadurch der T. nicht weg, aber zumindest hat er bei mir bewirkt, dass ich wesentlich ruhiger wurde und das ist der Sinn des Gerätes. Auch wenn es sich grotek anhört, ja ich beruhige meinen T. indem ich ein anderes Geräusch auf die Ohren wirke lasse. Wichtig ist dabei, dass der Noiser nicht den T. übertönt sondern eher untermalt.
      Ich habe auch schon so ziemlich alles probiert, aber nichts hat geholfen, aber die Noiser beruhigen mich oftmals, was sehr wichtig ist. Sport ist ein weiterer sehr guter Ansatz. Wenn ich 2-3 Stunden durch den Wald gejoggt bin, habe ich den ganzen Abend Ruhe vor dem Quälgeist.

      Das schlimmste ist aber, wenn man sich in Foren "runterziehen" lässt. Es gibt immer einen Weg, sich mit dem "Kameraden" zu arrangieren. Zum Glück ist das menschliche Gehirn zu allem Möglichen imstande, so auch, am Anfang zeitweise und dann Schritt für Schritt, dauerhaft ihn auszublenden. Dafür brauche man kein Yoga-, PMR- oder sonstwas-Spezialist zu sein. Ich habe gute und auch schlechte Tage. Und oftmals wünschte ich mir, mein Ende wäre Nahe. Aber ich rappel mich immer wieder auf. Leider ist es so, dass in Foren nur die Schreiben, denen es schlecht geht (ähnlich den Kfz-Foren, da meldet man sich nur an, wenn etwas kauptt ist und man Infos haben möchte).
      Die vielen Menschen, die ihren T. kompensiert haben, schreiben halt leider nicht über ihre positven Erfahrungen. Deshalb kopf hoch und kämpfen auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen sein wird.


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      • #18
        Dagegen spricht wie gesagt, dass etwa Studien zur sogenannten Tinnitus Retraining Therapie zeigten, dass die Noiser nicht zu besseren Ergebnissen führen. Deswegen wäre es auch möglich, dass deine Habituation auch ohne den Noiser gekommen wäre. Andererseits kann ich mir natürlich auch vorstellen, dass es einem wieder so etwas wie Kontrolle im Leben geben kann, wenn man ein Werkzeug hat um den Tinnitus wenigstens teilweise zu entgehen. Ich gehe deswegen recht gerne ins Schwimmbad weil das Rauschen dort meinen Tinnitus maskiert. Synthetisches Rauschen hat dabei leider nicht diesen Effekt. Auf Youtube gibt es viele Videos mit Rauschen in verschiedenen Frequenzen und keines davon maskiert meinen Tinnitus, sondern lässt ihn sogar lauter erscheinen. Deswegen bin ich wohl kein Kandidat für eine Noiser-Therapie.

        Und wie gesagt, ich habe ja oben erwähnt, dass bei viele Tinnitus-Betroffenen innerhalb von 2 Jahren eine Habituation eintritt. Allerdings gibt es auch eine Minderheit, bei der dies nicht passiert. Ich halte es deswegen auch nicht für etwas schlechtes, wenn Leute ihre positiven Erfahrungen nicht berichten, denn Tinnitus ist nun mal eben kein positives Thema.
        Zuletzt geändert von Der Gepeinigte; 03.12.2018, 14:17.

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        • #19
          Zitat von Der Gepeinigte Beitrag anzeigen
          Ich halte es deswegen auch nicht für etwas schlechtes, wenn Leute ihre positiven Erfahrungen nicht berichten, denn Tinnitus ist nun mal eben kein positives Thema.
          Ich schon, denn es würde den verzweifelten Menschen zeigen, dass es doch einen Ausweg gibt bzw. man sich daran gewöhnen kann. Oftmals sind die Leute ja derart verzweifelt, dass man Angst haben muss, dass sie sich etwas antun. Vor 5 Jahre dachte ich auch, es geht nicht mehr weiter.
          Ich finde, dass positve Erfahrungen anderer durchaus einem selber helfen kann. Leider gibt es aber auch immer wieder Scharlatane, die versuchen, über sog. Heilungserfolge, ihre Mittelchen für ne Menge Geld an den Mann bzw. Frau zu bringen.
          Leider wird auf unsere Kosten immer noch versucht, Geld zu machen. Ich denke da an die liebe Frau Beckenbauer und ihrem Wunderlmittel "Tebonin". Tinnitracks habe ich selber auch versucht. Die Kasse hatte damals wenigstens einen Teil dafür übernommen. Das Ergebnis war allerdings ernüchternd. Reha in St. Wendel war ebenfalls wenig zielfördernd. Da wurde eben nur versucht -bei mir vergebens- Entspannungstechniken zu erlernen. Ein überteuertes Hörgerät wollte man mir auch andrehen und dass bei rechts und links 90%iger Hörfähigkeit. Man argumentierte damit, dass der T. sich dort festsetzt, wo man nicht gut hört. Allerdings gab es bei all meinen Hörtests keine sog. "Tinnituskurve" sondern gleichbleibendes Hörvermögen. Hauptsache 2500 Euro für einen Eigentanteil kassieren.

          Ich werde mir im nächsten Jahr nochmals Noiser der neueren Generation zulegen. Die neuen Geräte können mehrere Geräusche erzeugen. Dies ist bei ständig verändertem Tinnitus sicherlich von Vorteil.
          Ich denke auch, dass die Noiser nicht zu schnelleren Habituation führen, aber den Weg dorthin erleichtern können. Aber das muss jeder selber testen.

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          • #20
            Ich schon, denn es würde den verzweifelten Menschen zeigen, dass es doch einen Ausweg gibt bzw. man sich daran gewöhnen kann. Oftmals sind die Leute ja derart verzweifelt, dass man Angst haben muss, dass sie sich etwas antun. Vor 5 Jahre dachte ich auch, es geht nicht mehr weiter.
            Dem stimme ich zu. Allerdings gibt es auch Leute, die daraus schon eine regelrechte Religion machen. Da gibt es z. B. einen Youtuber namens "Zwangsneurotiker", der in seiner Facebook-Gruppe alle negativen Äußerungen verboten hat und in seinen Videos auch nicht wirklich mit Kompetenz glänzt, sondern hauptsächlich mit billigen Motivations-Plattitüden. In letzter Zeit hat er sogar damit angefangen bei Patereon Geld für seine Videos zu kassieren und es gibt sogar Leute die dafür auch noch zahlen.

            Das Negative ist ein integraler Bestandteil des Tinnitus-Erlebens. Es zu leugnen marginalisiert das Leiden der Betroffenen. Ich denke das beste ist dabei realistisch zu bleiben und nicht auf die Heilsversprechungen der Scharlatane reinzufallen, von denen es bei Tinnitus so viele gibt, dass ich mich frage, ob es überhaupt noch eine Krankheit mit einer noch höheren Quacksalber-Dichte gibt.

            In Hörkurven scheint es übrigens so zu sein, dass man den Tinnitus oft an dem Punkt lokalisieren kann wo die Kurve am steilsten abfällt und nicht an dem niedrigsten Punkt. Dieses Phänomen nennt man auch den Randkanteneffekt. Das setzt natürlich voraus, dass es überhaupt eine Hörminderung gibt.

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            • #21
              Ich habe mich vor einem Monat für einen Online-Vortrag von Dr. Uso Walter angemeldet. Er verfasst E-Books bzgl. unseres "Begleiters". Allerdings konnte ich daraus keine neuen Erkenntnisse für mich ziehen. Ich bin einmal gespannt, was das für ein Online-Vortrag am 05.12. um 19 Uhr sein wird. Wie immer wird das Ereignis hochstilisiert mit den Worten, dass es garantiert den Tinnitusbetroffenen weiterhilft. Ich befürchte, dass dieser 1-stündige Onlinevortrag dazu gemacht ist, uns mal wieder das Geld aus der Tasche zu locken. Aber ansehen kostet ja nichts und somit habe ich mich dafür angemeldet. Erweitert nur meinen Horizont und die Erkenntnis, dass es das Wunderheilmittel auch in der Zukunft nicht geben wird.

              Hier einmal der Text der Einladung:

              "
              heute wollen wir Dich auf eine tolle und exklusive Veranstaltung aufmerksam machen, die Dir bei der Therapie Deines Tinnitus garantiert weiterhilft. Dr.Uso Walter, Autor des E-Books "Chronischer Tinnitus - eine Gebrauchsanweisung" und Entwickler der Kalmeda Tinnitus-App hält ein exklusives Webinar zum Thema Tinnitus und Tinnitustherapie:

              "Leitlinienbasierte Therapie des chronischen Tinnitus"

              Der Patientenvortrag findet am 05.12.18 um 19 Uhr statt. Er dauert ca. eine Stunde und informiert über die Möglichkeiten einer wissenschaftlich gesicherten Tinnitustherapie. Anmeldungen sind ab sofort möglich und auch dringend empfehlenswert, denn es gibt einer begrenzte Teilnehmerzahl!"

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              • #22
                Die Leitlinie Tinnitus war lange Zeit absoluter Schrott. Wenn man die Interessenkonflikte der Autoren kannte, die natürlich nicht genannt wurden, konnte man geradezu sehen wie der Kuchen aufgeteilt wurde. Als ich die Leitlinie das letzte Mal gesehen habe war sie aber von Grund auf überarbeitet worden und machte zum ersten Mal einen evidenzbasierten Eindruck. Wenn ich mich recht erinnere wurde eigentlich nur kognitive Verhaltenstherapie empfohlen, was laut einem Cochrane Review auch eine einigermaßen solide empirische Basis hat. Allerdings ist auch das weit davon entfernt ein Wundermittel zu sein.

                Uso Walter scheint ein HNO-Arzt zu sein. Laut seiner Homepage behandelt er akuten Tinnitus mit Medikamenten und "akustischen Therapieverfahren". Er behauptet auch "regulative Therapien wie die Akupunktur sind beim akuten Tinnitus in vielen Fällen wirksam". Ab diesem Punkt habe ich nicht weiter gelesen, denn damit hat er sich als Quacksalber geoutet. Ehrlich gesagt frage ich mich, wie nach mehr als 10 Jahren Ausbildung solche Mediziner rauskommen können.

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                • #23
                  Ich gehe einmal davon aus, dass immer noch viele "Tinnitusverbesserer" sich unter dem Deckmantel "Mediziner" versuchen, noch ein wenig mehr Geld auf unsere Kosten zu machen. Aus unserer Sicht natürlich verwerflich, aus Sicht von gierigen Menschen allerdings verständlich. Jeder versucht sich ein Stück von der Torte abzuschneiden. Leider ist die Forschung mittlerweile in einer absoluten Sackgasse bzgl. Tinnitus und ich glaube, dass man durch z.B TRT versucht, Betroffenen Hoffnung zu machen.
                  Die letzte Studie, ich glaube sie wurde unter dem Namen AUT000163 geführt, wurde ja leider eingestellt, nachdem das getestete Medikament, welches eigentlich für Epileptiker bestimmt war, zu viele Nebenwirkungen hatte.
                  Wenn ich bedenke, dass es jetzt sogar zeitnah ein wirksames Medikament für Demenz geben wird, dann frage ich mich, warum die Ärzte gerade beim Tinnitus sich so schwer tun? Demenz ist für mich als Laie zumindest die schwieriger zu behandelnde Krankheit. Aber ich denke, dass man auf diesem Sektor viel mehr Geld verdienen kann, da diese Krankheit, im Gegensatz zum Tinnitus, bei dem es weder Medikamente noch sonstige Möglichkeiten gibt, die Krankenkassen sehr viel Geld kosten. Alles was wir gegen unseren Tinnitus versuchen, müssen wir doch aus eigener Tasche bezahlen (Neurofeedback? hatte ich auch schon versucht). Die Krankenkassen kosten wir doch relativ wenig.

                  Wenn man bedenkt, dass ein Medikament wenn es überhaupt gefunden würde bis es ausgetestet und auf den Markt kommen könnte 10 Jahre dauert wird mir Angst und Bange. Also richte ich mich schon einmal darauf ein, bis zu meinem Lebensende damit leben zu müssen.
                  Leider führt jeder erneute Rückschlag dazu, dass man Kraft und somit an Willen, sich dem T. entgegenzustellen, verliert. Nachdem ich 2013 echt richtig schlecht drauf war und sogar aus lauter Verzweifelung eine Reha machte -was bis zu diesem Zeitpunkt für mich unvorstellbar gewesen war- fing ich mich 2014 komplett wieder und man konnte von einem kompensierten T. reden (Habituation?). Aber wie du siehst beschäftige ich mich in diesem Jahr wieder mit dem Thema, was nicht gerade für ein ausgeglichenes Selbstbewusstsein spricht.

                  Bei dir erstaunt mich, dass du ein wahnsinniges Wissen hast und dich sicherlich ebenfalls schon seit Jahren damit beschäftigst und scheinbar dennoch oder eben gerade deshalb keine Habituation erfahren hast. Du hast ja geschrieben, dass du zum Einschlafen Hilfsmittel wie das Youtubevideo benötigst.Eigentlich machst du auf mich einen sehr gefestigten Eindruck, wenn man deinen sehr durchdachten und mit Links unterlegten Beiträgen Glauben schenken darf.

                  Ich glaube aber, je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, umso mehr kommt man in eine Abwärtsspirale.

                  Mich würde einmal deine Meinung zum der Aussage: "Der Tinnitus wird nicht lauter, sondern die Wahrnehmung dazu hat sich geändert" wissen. Mit dieser Aussage, die mir ständig von HNO-Ärzten, Psychologen und in der Reha eingebleut wurden, kann ich so gar nicht anfangen. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass sie der T. nicht nur in der Lautstärke, sondern auch in der Tonart verändert. Und um ehrlich zu sein, Entspannungsübungen wirken bei mir eher kontraproduktiv zur Habituation.

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                  • #24
                    Leider ist die Forschung mittlerweile in einer absoluten Sackgasse bzgl. Tinnitus und ich glaube, dass man durch z.B TRT versucht, Betroffenen Hoffnung zu machen.
                    TRT war eigentlich von Anfang an eine absolute Luftnummer. Sowohl die Theorie dahinter, das sogenannte "neurophysiologische Modell", als auch die klinischen Studien haben den Hype, den es von etwa 1995 bis 2005 gegeben hat, nicht einmal ansatzweise gerechtfertigt.

                    Die letzte Studie, ich glaube sie wurde unter dem Namen AUT000163 geführt, wurde ja leider eingestellt, nachdem das getestete Medikament, welches eigentlich für Epileptiker bestimmt war, zu viele Nebenwirkungen hatte.
                    War der Grund warum Autifony nicht weiterentwickelt wird nicht die mangelnde Effektivität in einer klinischen Studie?

                    Wenn ich bedenke, dass es jetzt sogar zeitnah ein wirksames Medikament für Demenz geben wird, dann frage ich mich, warum die Ärzte gerade beim Tinnitus sich so schwer tun? Demenz ist für mich als Laie zumindest die schwieriger zu behandelnde Krankheit.
                    Ich wäre da nicht zu vorschnell. Es gab bei Demenz, bzw. Alzheimer, schon eine Reihe von hoffnungserweckenden Medikamenten, die aber letztendlich alle gescheitert sind.

                    Aber ich denke, dass man auf diesem Sektor viel mehr Geld verdienen kann, da diese Krankheit, im Gegensatz zum Tinnitus, bei dem es weder Medikamente noch sonstige Möglichkeiten gibt, die Krankenkassen sehr viel Geld kosten. Alles was wir gegen unseren Tinnitus versuchen, müssen wir doch aus eigener Tasche bezahlen (Neurofeedback? hatte ich auch schon versucht). Die Krankenkassen kosten wir doch relativ wenig.
                    Ich bin mir da nicht sicher, aber wenn es ein zugelassenes Medikament gegen Tinnitus geben würde, wäre die Krankenkasse auch verpflichtet die Kosten dafür zu übernehmen. Da etwa 4% der deutschen Bevölkerung an chronischem Tinnitus leiden, ist das ein überaus lukrativer Markt. Zudem hat die Krankenkasse jahrelang die Kosten für hyperbare Sauerstofftherapie und Infusionen übernommen, obwohl es keine Zulassung und auch keinen Wirkungsnachweis gab.

                    Wenn man bedenkt, dass ein Medikament wenn es überhaupt gefunden würde bis es ausgetestet und auf den Markt kommen könnte 10 Jahre dauert wird mir Angst und Bange. Also richte ich mich schon einmal darauf ein, bis zu meinem Lebensende damit leben zu müssen.
                    Falls du deine Hoffnung noch ein wenig mehr zerstören willst empfehle ich das Buch "Wie entsteht Tinnitus?" von Viktor Weichbold. In diesem Buch zeigt der Autor auf, dass praktisch alle Theorien zur Entstehung des Tinnitus Quatsch sind oder erhebliche Mängel aufweisen.

                    Leider führt jeder erneute Rückschlag dazu, dass man Kraft und somit an Willen, sich dem T. entgegenzustellen, verliert. Nachdem ich 2013 echt richtig schlecht drauf war und sogar aus lauter Verzweifelung eine Reha machte -was bis zu diesem Zeitpunkt für mich unvorstellbar gewesen war- fing ich mich 2014 komplett wieder und man konnte von einem kompensierten T. reden (Habituation?). Aber wie du siehst beschäftige ich mich in diesem Jahr wieder mit dem Thema, was nicht gerade für ein ausgeglichenes Selbstbewusstsein spricht.
                    Wie gesagt, wenn schon einmal eine Habituation eingetreten ist, wird das vielleicht auch nochmal passieren. Ich denke darauf kann man schon hoffen.

                    Bei dir erstaunt mich, dass du ein wahnsinniges Wissen hast und dich sicherlich ebenfalls schon seit Jahren damit beschäftigst und scheinbar dennoch oder eben gerade deshalb keine Habituation erfahren hast. Du hast ja geschrieben, dass du zum Einschlafen Hilfsmittel wie das Youtubevideo benötigst.Eigentlich machst du auf mich einen sehr gefestigten Eindruck, wenn man deinen sehr durchdachten und mit Links unterlegten Beiträgen Glauben schenken darf.
                    Eigentlich komme ich mit dem Tinnitus momentan schon relativ gut klar, jedenfalls deutlich besser als noch ganz zu Anfang oder vor einigen Jahren. Eine Habituation ist schon in gewisser Weise da, allerdings finde ich es immer noch ziemlich unangenehm, wenn alles still ist und so der Tinnitus mit seiner Frequenz von etwa 12 Khz voll zur Geltung kommt. Maskieren kann ich den Tinnitus mit synthetischen Geräuschen auch nicht. Die Wirkung ist dann, dass ich den Tinnitus in normaler Lautstärke gleichzeitig mit dem Rauschen höre und der Tinnitus dadurch sogar noch lauter erscheint. Zwar kann ich schon die meiste Zeit mit dem Tinnitus umgehen, aber sollte jemals ein Medikament dagegen mit akzeptablen Nebenwirkungen kommen, würde ich wahrscheinlich sobald es in Deutschland verfügbar ist zu meinem Psychiater gehen und es mir verschreiben lassen.

                    Was vielleicht auch eine Rolle spielt ist, dass ich mittlerweile an therapie-resistenten Depressionen leide, was von den Symptomen (z. B. Anhedonie) in einer weitaus höheren Liga als Tinnitus spielt.

                    Außerdem ist mein Wissen wahrscheinlich geringer, als du vielleicht glaubst. Immerhin habe ich weder Medizin, noch Psychologie studiert.

                    Ich glaube aber, je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, umso mehr kommt man in eine Abwärtsspirale.
                    Das kann ich zumindest aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Durch das Wissen habe ich eher ein gewisses Gefühl von Kontrolle bekommen, was psychologisch ein bisschen weiterhilft.

                    Mich würde einmal deine Meinung zum der Aussage: "Der Tinnitus wird nicht lauter, sondern die Wahrnehmung dazu hat sich geändert" wissen. Mit dieser Aussage, die mir ständig von HNO-Ärzten, Psychologen und in der Reha eingebleut wurden, kann ich so gar nicht anfangen. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass sie der T. nicht nur in der Lautstärke, sondern auch in der Tonart verändert.
                    Dazu müsste man bei Leuten, die angeben ihr Tinnitus sei lauter geworden, versuchen vor und nachher objektive Vergleichsmessungen durchzuführen, wie etwa Vergleichsaudiometrie oder die minimale Maskierungslautstärke. Ich habe keine Ahnung, ob das jemals gemacht wurde. So lange dies nicht geschehen ist, halte ich es für unfundiert, alles auf die Wahrnehmung zu schieben. Und selbst dann frage ich mich wie valide diese Vergleichsmessungen sind. Immerhin ist Tinnitus ja kein Hörereignis, dass durch eine Schallquelle entsteht.

                    Kritisch sehe ich auch, dass wenn man dieses Argument weiterdenkt, rauskommen müsste, dass kein Tinnitus lauter oder schlimmer werden kann. Manchmal argumentieren diese Leute dann mit dem Heller-Bergmann-Experiment, dass jeder Mensch Tinnitus hätte und die Tinnitus-Patienten nur eben hinhören würden oder defekte "Hörfilter" hätten. Das halte ich aber für Quatsch, denn Tinnitus-Patienten hören ihren Tinnitus oft problemlos in normaler Umgebung, was gesunde Menschen nicht können, selbst wenn sie "hinhören".

                    Und um ehrlich zu sein, Entspannungsübungen wirken bei mir eher kontraproduktiv zur Habituation.
                    Entspannungsverfahren können bei manchen Menschen als Nebenwirkungen starke Angstzustände induzieren. Außerdem werden sie einer stillen Umgebung durchgeführt und man hat wenig Ablenkung, was die Konzentration auf den Tinnitus noch verstärken könnte. Deswegen frage ich mich schon manchmal warum so viele Fachleute auf Entspannungsverfahren schwören. Ich habe stattdessen lieber exzessiv Ego-Shooter gespielt.
                    Zuletzt geändert von Der Gepeinigte; 04.12.2018, 12:56.

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                    • #25
                      Ich bin inzwischen sehr froh, Mitglied des Forums zu sein.
                      Hier bündelt sich viel Erfahrung und auch Fachwissen.
                      1 Forums-Mitglied schrieb in einer der letzte Beiträge, daß er "seinen" Weg gefunden habe. Vielleicht läßt er uns wissen, wie denn sein Weg aussieht! Die geplagten sind für jeden Hinweis dankbar.
                      Als Leidender greift man ja nach jedem Strohhalm. So steß ich heute auf die Beiträge von L.Wilden (FAZ 2003 und DER SPIEGEL aus 2004) , Bad Füssing. Die Ausführungen klangen äußerst fachkundig und schlüssig.
                      Diesen Dr.Wilden entdeckte ich heute wieder. Er agiert jetzt auf IBIZA und empfiehlt die Home-Laser-Lux -Anwendung. Gibt es da aus ihrer Sicht irgendwelche Erfahrungen oder ist diese Aktion nur wieder eine, die von Profitstreben getrieben ist ?

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                      • #26
                        Lutz Wilden, der meines Wissens Allgemeinmediziner ist und kein HNO-Arzt, ist einer der bekanntesten Quacksalber in der Tinnitus-Szene. Seine Laser-Therapie ist aus wissenschaftlicher Sicht weder plausibel, noch als wirksam erwiesen. Wenn ich mich recht erinnere, gab es hier im Forum sogar Hinweise, dass er Hörtests manipuliert um den Patienten die Wirkung seiner Laser-Therapie vorzugaukeln.

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