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Gewöhnung an Tinnitus (Habituation): sind Lautstärke und Frequenz relevant?

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  • Gewöhnung an Tinnitus (Habituation): sind Lautstärke und Frequenz relevant?

    Liebe Leute,

    in der aktuellen Ausgabe des "Tinnitus Forum" steht in einem Artikel über Habituation, dass die Fähigkeit zur Gewöhnung an den Tinnitus nicht abhängig von der Lautstärke oder Klangcharakter des Tinnitus sei.
    Ich kann das gar nicht so richtig glauben.
    Vorab: ich leide seit März 2019, also seit knapp 5 Monaten unter einem dekompensierten Tinnitus. Bei mir handelt es sich um Kopfgeräusche, welche den Ort im Kopf auch wechseln (oft links oberhalb des Ohres, manchmal rechts, oft der ganze Vorder- und Oberkopf, manchmal Hinterkopf. Meist bleibt der Tinnitus für viele Stunden z.B. links und wandert dann in der zweiten Tageshälfte rüber, bis er dann im ganzen Kopf ist). Es handelt sich an manchen Tagen um ein sehr hochfrequentes Pfeifen, es gibt auch ein tieferes Pfeifen, welches aber immernoch eher hochfrequent ist. Oft nimmt es einen elektrischen Charakter an, gefühlt wie eine Hochspannungsleitung oder ein elektrischer Zaun. Dann ein Grillenzirpsen, welches auch elektrisch klingt. Für mich etwas besser zu ertragen sind die Tage, an welchen es sich anhört wie ein voll aufgedrehter rauschender Wasserhahn oder ein "weißes Rauschen, wenn es dann etwas leiser ist. Dieses Rauschen habe ich manchmal aber auch sehr laut, dann ist es schlechter zu ertragen. Grundsätzlich ertrage ich Tage an welchen sich die Geräusche eher hinter den Ohren aufhalten besser, als Tage an den die Geräusch sich im vorderen Kopf aufhalten.
    Man kann seine Tinnituslautstärke schlecht mit der Lautstärke anderer Menschen mit Tinnitus vergleichen. Wohl kann ich aber die oben beschriebenen unterschiedlichen Tage bei mir selbst vergleichen. Ich kann von mir ganz klar sagen: es gibt einen bestimmten Punkt der Lautstärke, bis wohin ich mir gut eine Fähigkeit zur Gewöhnung vorstellen kann. An diesen Tagen bin ich ein ganz anderer Mensch und kann mich ganz gut auf das Leben um mich herum einstellen und auch Zufriedenheit erleben (von Glück kann ich noch nicht sprechen). Wenn dieser Punkt der Lautstärke überschritten wird, wendet sich das Blatt. Je lauter das Geräusch dann ist, desto weniger ist für mich ein normaler Alltag möglich. Meine Aufmerksamkeit ist dann ständig beim Tinnitus, ich bin depressiv, habe Konzentrationsstörungen, Zukunftssorgen, meine Fähigkeit zu Humor ist wie weggeblasen. Je elektrischer das Geräusch ist, desto mehr habe ich das Gefühl, dass in meinem Gehirn etwas defekt ist. Ich fühle mich dann auch regelrecht "dumm" bzw. intelligenzgemindert.

    Wie ist das bei anderen Betroffenen, die variierende Lautstärken im Kopf haben? Mich interessieren vor allem die Erfahrungen von Leuten mit Kopfgeräuschen.

    Viele Grüße und einen schönen Tag,

    Ruhezone

  • #2
    Halle Ruhezone,
    die Beschreibung Deines Tinnitus ähnelt dem meinen: Zischen, Rauschen, Zirpen, alles sehr hochtönig und nicht auf die Ohren lokalisiert, manchesmal nur ein Geräusch, manchesmal alles zusammen. Und ich kenne auch die Phasen, in denen sich die Lautstärke erhöht. Man sagt ja, dass die Hörverarbeitung eine wichtige Rolle spielt. Ich glaube, dass man beim Höherdrehen des Tinnitus seine Wahrnehmung darauf verstärkt und die Verzweiflung steigt. Wenn mich solche Phasen ereilen, versuche ich inzwischen, gelassen zu bleiben, weil ich erfahren habe, dass es auch wieder anders wird. Dies allerdings ist ein Lernprozess, der Zeit braucht und auch nicht immer zu 100 % funktioniert. Ist für mich allerdings der beste Ansatz. Da Du erst seit fünf Monaten betroffen bist, kann ich Dir nur sagen, es braucht noch eine gewisse Zeit. Versuche zuversichtlich zu bleiben und Dir in den schlechten Momenten zu vergegenwärtigen, dass diese schlechte Phase auch wieder vorüber geht.
    Und was das "elektrische Geräusch" angeht, so klingt der Tinnitus halt manchesmal. Ich hatte aufgrund einer anderen Erkrankung verschiedene Schädel-MRTs und wie die meisten Betroffenen zahlreiche HNO-Untersuchungen. Alles ohne Befund. Anfangs möchte man den Ursachen auf den Grund gehen, und diese Untersuchungen haben mir Sicherheit gegeben, dass nichts "Schlimmes" vorliegt. Und sie haben damit bei der Akzeptanz geholfen.
    Ich wünsche Dir alles Gute.
    Sisco

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    • #3
      Hallo Ruhezone,

      immer wenn es um Tinnitus geht wird so viel Blödsinn erzählt oder geschrieben.
      Besonders in Deutschland, auf internationaler Ebene sieht das Ganze dann schon ein bisschen besser aus.
      "Tinnitus Forum" kenne ich gar nicht, klingt aber irgendwie auch nach Hilflosigkeit.

      Und klar, sicher ist die Lautstärke des Tinnitus ausschlaggebend und auch die Art des Geräuschs, das sagen alle Betroffenen
      und so war es auch bei mir damals.

      Naja, stell Dir vor, irgendwas müssen sie ja schreiben da sie es nicht heilen können.
      Zumindest noch nicht. Es gibt ja Hoffnung, neue Methoden werden entwickelt.

      Wenn Du international recherchierst, wirst Du diese Krankheit besser verstehen.
      Und ja, es ist eine Krankheit und kein "Symptom" wie in Deutschland gerne behauptet wird.

      Tinnitus ist so komplex wie Epilepsie und es gibt so viele verschiedene Ursachen für Tinnitus.
      Wie ist Deiner entstanden? Weißt Du etwas dazu? Die klassische Ursache ist ja zu viel Lärm, es gibt aber noch andere Ursachen
      wie zB ototoxische Medikamente.

      Bitte sie vorsichtig mit Medikamenten und auch mit MRTs, das hat bei vielen den Tinnitus noch schlimmer gemacht und bitte lass auch
      keine Ohrspülungen beim HNO machen oder dergleichen. Klar wird da immer behauptet es könne gar nichts passieren, aber das
      stimmt nicht.

      Schau mal im internationalen Forum, da findest Du viele Infos:

      www.Tinnitustalk.com

      lg Travelline

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      • #4
        Hallo Sisco, hallo Travelline,

        vielen Dank erstmal für eure ausführlichen Antworten.

        Ich nehme den Tinnitus auch als Krankheit wahr. Es ist ja schon ein Wiederspuch in sich:
        Auf der einen Seite gibt man zu, dass man kaum etwas über die Entstehung des Tinnitus weiß und geht von unzähligen möglichen Ursachen aus. Auf der anderen Seite will man aber so genau wissen, dass der Tinnitus keine Krankheit, sondern ein Symptom ist.

        Sisco, derzeit glaube ich auch wie du, dass es ein ganz wichtiger Ansatz ist, an schlimmen Tagen möglichst die Ruhe zu bewahren, nicht zu verweifeln und sich über ein baldiges Abschwellen des Tinnitus im Klaren zu sein.

        Bei mir gibt es derzeit mehrere mögliche Ursachen. Nach meiner Theorie ist er am ehesten ungefähr so entstanden:
        1. Schicksalsschlag im vergangenen Jahr, welcher schlecht verarbeitet wurde. Darauf hin über Monate hinweg Entstehung von Grübelschleifen und mangelnder Fähigkeit zu entspannen, gepaart mit dem üblichen Alltagsstress
        2. HWS Syndrom: extreme Steilstellung + seitliche Verkrümmung + Arthrose bei geschwächter Rückenmuskulatur mit massiven Verspannungen --> Verschlechterung durch Punkt 1
        3. nächtliches Knirschen oder Zusammenpressen der Kaumuskulatur

        4. (unklar, reine Überlegung meinerseits): undichte Krone, Austreten von Palladium? --> dadurch vielleicht Schädigung des Gesichtsnervs ??

        Die Wirbelsäule wird derzeit mit Facetteninfiltrationen behandelt, anschließend werden geeignete physiotherapeutische Maßnahmen, Sport zum Aufbau der Muskulatur und Massagen fortgesetzt.

        Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
        Ruhezone

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