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Stapedius-tics

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  • Stapedius-tics

    Hallo liebe Mitglieder,

    ich bin 28 Jahre alt und leide nun seit ende 2014 an sogenannten "Stapedius-tics im Mittelohr" (Myoklonus).
    Angefangen hat das ganze plötzlich Nachts und hat mir dann bis zur Erstdiagnose, 3 Monate später etliche schlaflose Nächste beschert.
    Als es erstmalig auftritt nahm ich das ganze im linken Ohr als "klopfendes" "trommelfellschwingendes" Geräusch war, selbst Leute in meinen Umfeld konnten es hören.
    Nach meinen Ärztemarathon, versuchte man verschieden Behandlungsformen um das Problem in den Griff zu bekommen:

    -Magnesium hochdosiert
    -Ginko
    -Vitamin B12
    -Akupuntur
    -Infusionen
    -eine Aufbissschiene vom Zahnarzt
    -Physiotherapie, bis hin zum Heilpraktiker
    (das sind nur ein paar Sachen, ich könnte die Liste noch beliebig weiterführen...)

    Viele Ärzte hatten meiner Meinung nach selbst keine Ahnung was sie da behandeln und hielten mich auch teilweise für Irre. Ich habe dann im Internet einen Arzt bei mir in der nähe kennengelernt der zumindest Ahnung davon hatte und sich gut auskannte, er sagte mir es gäbe die Möglichkeit den Stapedius Muskel mit Botox zu lähmen bzw gleich durchtrennen zu lassen.
    Ende 2015 war es dann so schnell wie es kam auch wieder weg und ich konnte mein Glück kaum fassen, es ist eine wahnsinnige Belastung und man fühlt sich absolut hilflos und zweifelt selbst schon an sich...

    Nun gut 2 Jahre später ist das "klopfen" wieder zurück, diesmal auf dem rechten Ohr. Ich wusst ja sofort mit was ich zu tun habe deswegen lies ich mich von meinen HNO Hausarzt in eine Klink speziell für HNO Erkrankungen überweisen.
    In der Klinik wurden dann verschiedene Tests mit meinen betroffenen Ohr durchgeführt, unter anderen auch ein Stapedius-Reflex Test auf dem deutlich zu sehen war das dass Diagramm der Aufzeichnung teilweise den Rand des messbaren überschritt. Anstatt mir aber Therapie Möglichkeiten (ggf. eine Operation) anzubieten, hieß es ich solle meine Hausarzt aufsuchen und mir Psychopharmaka verschreiben lassen, sie können mir nicht helfen, haben keine Erfahrung damit.... ich meine ganz ehrlich, soll das die Lösung für das Problem sein?? Ich fühl mich verrascht und absolut nicht ernst genommen! Ich habe der sogenannten Oberärztin dann auch deutlich gesagt was ich davon halte, zack nicht ihren Vorstellungen entsprochen hat sie beleidigt, ja fast schon wütend den Raum verlassen....

    Nun stehe ich wieder bei 0 da, deswegen wende ich mich an euch, hat jemand Erfahrungen mit diesem Thema bzw hat sich jemand schon so einer Operation wie der Durchtrennung des Stapedius Muskels unterzogen oder kann mir einfach sagen wo ich mich in Deutschland noch hinwenden kann? (Spezialisten? Kliniken? etc.)

    Vielen Dank im voraus und Liebe Grüße

  • #2
    Versuch es mal mit Carbamazepin. Ansonsten könntest du dich an die HNO-Klinik Bielefeld wenden.

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    • #3
      Hi Steffi,
      da können wir und die Hand reichen, mir geht es ähnlich wie Dir - zumindest was Dein Ärzte-Marathon betrifft. Ich glaube, es waren zwölf HNO-Docs nötig, bis Letzterer endlich meine Stapedius-Tics überhaupt mal diagnostizieren konnte.

      Im Unterschied zu Dir sind meine Tics allerdings nicht von außen hörbar, wie Du schreibst, das habe ich allerdings auch noch nicht getestet, auch weil diese Tics nur zu bestimmten Zeiten und/oder Anlässen auftreten.

      Ich kann also die Uhr stellen und ziemlich präzise nach ca. einer Stunde nach dem abendlichen Einschlafen (!) fängt es in einem Ohr an zu zucken, und an Weiterschlaf ist dann erst mal nicht zu denken.

      Vielleicht als Tipp für Dich:
      Wenn ich dann - mitten in der Nacht (!) - ein paar Schritte in der Wohnung auf und ab gehe, dann beruhigt sich der Muskel nach ca. zwei Minuten wieder und ich kann im Bett anschließend wieder einschlafen.
      Das geht dann bis zum Morgen noch ein bis zweimal so weiter, aber als Rentner muss ich nicht mehr nach Uhrzeit aufstehen, sondern gönne mir diese Aktion so lange hinauszuzögern, bis ich ausgeschlafen bin, egal wie spät es ist.

      Als mögliche Lösungsansätze sind mir bis jetzt auch "nur" die Durchtrennung des msc.stapedius vorgeschlagen worden ("wenn es gar nicht mehr geht"). Da dies aber mit einigen Nebenwirkungen verbunden ist (verstärkte Lärmempfindlichkeit usw.), habe ich bislang davon Abstand genommen, aber noch nicht endgültig.

      Mit der Vergabe von Muskelrelaxanzen sind die Ärzte ziemlich restriktiv, aber ich bin auf der Suche nach einem Doc, der das gerne bei mir in vernünftigem Rahmen (wenn das überhaupt möglich ist) gerne mal austesten möchte.
      Im Netz wird diese Erscheinung "Spasmen des msc.stapedius" leider kaum diskutiert und Lösungsvorschläge zur Selbsthilfe oder Therapie unter ärztlicher Aufsicht kaum zu finden, wenn einem die HNO-Docs schon nicht weiterhelfen können. Ist wohl eine ziemlich selten auftretende Erscheinung.

      Und wie schon erwähnt, ist eine Durchtrennung des Muskel womöglich in jeder HNO-Klinik durchführbar. Mir wurde von den beiden Doc's, die überhaupt mal von diesem Phänomen gehört haben mitgeteilt, dass dies Routineeingriffe seien.
      Viel Erfolg und Gruß von
      Castor



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      • #4
        Ist ein massiv erhöhter Stresslevel evtl. eine Möglichkeit für gesteigerte Stapedius-aktivität?

        Und was soll eingetlich die Durchtrennung desselben bewirken, wenn seine Funktion (zumindest lt. Flexikon) eher vorteilhaft sein dürfte
        :
        ... in der Lage, das Ligamentum anulare stapedis zu spannen und die Fußplatte des Stapes in der Fenestra ovalis zu verkanten. Damit führt eine Kontraktion des Muskels zur Abschwächung der Schwingungen im ovalen Fenster. Dieser Mechanismus ermöglicht die Desensibilisierung des Gehörsinnes während der Sprachproduktion durch den Organismus, sowie die Anpassung der Empfindlichkeit des Gehörs...

        Will nur sicher gehen, dass ich nicht in eine komplett falsche Richtung denke.


        Ach ja und bevor ich mir irgendwas durchschnippeln ließe, würde ich doch tatsächlich lieber mal die bunten Pillen ausprobieren.
        Manchmal helfen die mehr als man glaubt.
        Bei mir piept´s... Und summt... Und rauscht... Und brummt... Und pfeifen tut´s erst recht.
        Und darum gehts mir schlecht!

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        • #5
          Ist ein massiv erhöhter Stresslevel evtl. eine Möglichkeit für gesteigerte Stapedius-aktivität?
          Wenn der Kreislauf besondere Fahrt aufnimmt, dann existiert hier ein Zusammenhang mit intensiverem Auftreten der Zuckungen. Stelle ich häufiger fest, wenn am Tag viel Kaffee getrunken oder intensiv Sport betrieben wurde. Wobei Letzteres nach ein paar Glas Bier sich manchmal auch wieder ein wenig neutralisieren ließ.

          Und was soll eingetlich die Durchtrennung desselben bewirken, wenn seine Funktion (zumindest lt. Flexikon) eher vorteilhaft sein dürfte
          Als ultima ratio bewirkt die Durchtrennung dieses häufiger mitten in der Nacht zuckende Muskel eben, dass diese Zuckungen aufhören, nicht mehr und nicht weniger!

          Damit führt eine Kontraktion des Muskels zur Abschwächung der Schwingungen im ovalen Fenster.
          Dabei handelt es sich genau die von mir zitierten Nachteile, wenn die Schutzfunktion dieses Muskels ausfällt und eine plötzliche Lärmimmision das Gehör schaden kann

          zu 3 :Schutz- und Dämpfungsfunktion
          Ab ca. 80 dB kontrahiert der Stapediusmuskel und dabei wird der Steigbügel ein wenig aus dem Ovalen Fenster herausgekippt. Diese Bewegung wird über Amboß und Hammer auf das TF übertragen, das folglich In Richtung Äußerer Gehörgang ausgelenkt wird. Dabei wird die Sehne des Trommelfellspannmuskels gedehnt.
          Dehnungsrezeptoren in dieser Sehne sorgen für eine eigenreflektorische Zusammenziehung des TF-Spannmuskels.

          https://webcache.googleusercontent.c...t=firefox-b-ab
          Und in meinem Fall mit bereits vorhandener Lärmempfindlichkeit ("Hyperakusis") eben mit besonderer Vorsicht auszuführen.

          Ach ja und bevor ich mir irgendwas durchschnippeln ließe, würde ich doch tatsächlich lieber mal die bunten Pillen ausprobieren.
          In meiner naiven Denkweise kommen eben nun die sog. Muskelrelaxanzen ins Spiel, die aber nur sehr zurückhaltend verschrieben werden. Ansonsten empfohlene Gaben wie Magnesium oder Vitamin B haben leider nichts bewirkt.

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          • #6
            In meiner naiven Denkweise kommen eben nun die sog. Muskelrelaxanzen ins Spiel, die aber nur sehr zurückhaltend verschrieben werden. Ansonsten empfohlene Gaben wie Magnesium oder Vitamin B haben leider nichts bewirkt.
            Dann wiederhole ich mich nochmal: Lass dir Carbamazepin verschreiben. Es wird in der Literatur als medikamentöse Therapiemöglichkeit für solche Fälle beschrieben.

            Beispiel:

            "Serie scharfer Klicks (Dauer mehrere Sekunden bis Minuten): Ätiologie: Tetanische Kontraktionen der Muskeln (Myoklonien) des weichen Gaumens (kann vom Untersucher beobachtet werden) und/oder des Musculus tensor tympani und Musculus stapedius, die auf Läsionen im sogenannten Myoklonusdreieck (Nucleus ruber, untere Olive, Nucleus dentatus) zurückgeführt werden. Therapie: Botulinus-Toxin kann in den weichen Gaumen injiziert werden. Auch die operative Durchtrennung des Musculus tensor veli palatini oder des Musculus stapedius ist häufig erfolgreich, sollte aber nur mit zurückhaltender Indikation betrieben werden, da durch Ausfall des Stapediusreflex eine irreversible Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis) resultiert. Gelegentlich helfen Carbamazepin (Tegretal®, Timonil®)"
            Quelle: https://www.thieme-connect.com/produ.../s-2004-829994

            Was die "bunten Pillen" betrifft: Die wirken hauptsächlich bei schweren psychischen Störungen besser als Placebos. Sofern es keine Hinweise auf eine spezifische Wirksamkeit gegen deine Probleme gibt, würde ich davon eher absehen. Falls doch eins nötig sein sollte, würden mir als erstes Mirtazapin und Pregabalin einfallen. Mirtazapin hat leider als Nebeneffekt Gewichtszunahme. Beispielsweise habe ich davon etwa 30 kg zugenommen. Glücklicherweise machte das bei mir nichts aus, denn vorher hatte ich ohnehin starkes Untergewicht und habe nun mein Normalgewicht erreicht.
            Zuletzt geändert von Der Gepeinigte; 01.02.2018, 10:59.

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            • #7
              Ich meinte das mit den bunten Pillen auch vor allem erstmal als (Kurzzeit-)Test über 2 - 3 Tage, ob es vlt. überhaupt psychisch (mit)indiziert sein könnte.

              Mir würden da auch erstmal die Benzodiazepine einfallen; ggf. noch Opipramol (statt Mirtazapin).
              Beim Carbamazepin bin ich mir nicht sicher, ob es "kurzfristig" Wirkung zeigen würde...
              Bei mir piept´s... Und summt... Und rauscht... Und brummt... Und pfeifen tut´s erst recht.
              Und darum gehts mir schlecht!

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              • #8
                Mir würden da auch erstmal die Benzodiazepine einfallen; ggf. noch Opipramol (statt Mirtazapin).
                Benzodiazepine sind zwar hochwirksam gegen Angst- und Unruhezustände die mit Tinnitus einhergehen können, jedoch machen sie oft schnell stark abhängig. Der Entzug wird von manchen als schlimmer als Heroin beschrieben, sogar dann wenn es langsam über Monate (oder Jahre) ausgeschlichen wird. Bei Tinnitus würde ich sie eher als eine Art "Notfallmedikament" nutzen und nicht als Dauerlösung.

                Bei Opipramol stört mich hauptsächlich, dass es zusätzlich ein D2-Antagonist ist. Dafür hat es aber auch ein geringeres Risiko für Gewichtszunahme.

                Beim Carbamazepin bin ich mir nicht sicher, ob es "kurzfristig" Wirkung zeigen würde...
                Wenn es gegen die Stapedius-Tics hilft, dann muss man es wohl lebenslang nehmen. Keine Ahnung, wie hoch man es dosieren muss und wie lange man es nehmen muss um eine Wirkung festzustellen. Aber es wäre sicher eher einen Versuch wert, als die Operation.

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                • #9
                  Hallo hier muss ich mal einhacken, mir hilft Diazepam (Benzo) gut, wenn ich stärkere Probleme habe bei meinem Tinnitus. Es entspannt, macht müde und fährt meinen Tinnitus nach einem Anfall/Verschlechterung wieder runter (ca. 50%) . Ich nehme es ca. 1-2 die Woche. Komme die Tage dazwischen auch ohne aus. Würde deshalb auch nicht voschnell das Zeug verteufeln, wenn man es nicht täglich einnimmt. Habe auch keine Enzugserscheinungen, wenn ich es einige Tage nicht benötige. Ob es gegen die angesprochenen Tics hilft müsste ausprobiert werden.
                  LG
                  Zuletzt geändert von aeonensturm; 08.02.2018, 23:42.

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