Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Die berüchtigten 3 Monate sind um. Wie geht es jetzt weiter?

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Die berüchtigten 3 Monate sind um. Wie geht es jetzt weiter?

    Hallo zusammen,
    Heute sind es nun exakt 3 Monate, seit ich meinen Tinnitus habe. Ich bin 32 Jahre jung, und hatte ende April plötzlich starken Drehschwindel und Übelkeit. Da ich eine mech. Aortenklappe habe (und Marcumar nehme) bin ich sofort zum Arzt.
    Dieser diagnostizierte eine sogenannte "Neuropathia Vestibularis", ein entzündlicher Prozess im Innenohr. Normalerweise würde man hochdosiertes Cortison verschreiben - allerdings war ja zu der Zeit die Corona Welle total am Rollen - daher
    keine Immunsuppresiva. Ich soll mich einfach 2 Wochen gedulden - es wird schon wieder weggehen. Eine Woche später klang der Drehschwindel tatsächlich langsam wieder ab - Allerdings wachte ich eines morgens auf und das linke Ohr war komplett zu.
    Direkt wieder zum Arzt. Zum HNO geschickt worden - Hörsturz. Normalerweise würde man wieder Cortison geben, aber Corona und so, also kein Coritson. Ich hatte bereits 2 Hörstürze in meinem Leben aber dieser war sehr heftig.
    Eine Woche später war der Drehschwindel und der Hörsturz zum Großteil abgeklungen - allerdings hörte ich auf dem linken Ohr ein seltsames hochfrequentes Pfeifen/Sausen. Das war die Geburtsstunde meines Tinnitus. Ich bin darauf wieder zum HNO, der
    hat nur die Achseln gezuckt und meinte er kann da nix machen. Ich soll einfach warten, das geht wieder weg.
    Ein Monat verging. Nix ging weg. Das Pfeifen belastete mich so sehr, dass ich nicht mehr vernünftig arbeiten konnte (Ich bin Software-Entwickler und muss mich bei kompliziertem Code stark Konzentrieren.. Geht nur leider schlecht wenn es die Ganze Zeit im
    Ohr pfeift wie blöd). Ich googelte selbstverständlich sehr viel. Ich nahm Ginkgo, Magnesium, Zink, Schüßler Salze, Krill-Öl... nix half. Ich sagte mir jeden Abend beim Einschlafen "Das wird wieder verheilen. Das Geräusch wird weggehen" wie ein Mantra bis ich
    einschlief - Autosuggestion. Natürlich half das auch nichts. Plötzlich war der zweite Monat vergangen. Panik machte sich breit. Im Internet liest man immer wieder von den magischen 3 Monaten... Nach 3 Monaten ist der T subakut. Das ist fast schon chronisch.
    Und chronisch heißt er geht nie wieder weg. Bis zum Rest meines Lebens soll ich das Geräusch ertragen? Undenkbar.

    Ich ging nochmal zu einem anderen HNO. Dieser bemitleidete mich nur ("In ihrem Alter schon Tinntus? Oh je Sie armer... aber da kann man leider nicht viel machen"). Es wurde ein MRT gemacht um ein Akustiksneurinom auszuschließen - Natürlich war's das nicht.
    Ich ging zum Osteopathen und ließ mir die Halswirbelsäule einrenken - Nix gebracht. Ich ging zum Kieferortopäden (eine Knirschschiene trage ich so oder so schon) - Er glaubt nicht dass es vom Kiefer kommt.
    Ich muss dazu sagen, dass mein Tinnitus sehr speziell ist. Morgens beim Aufwachen ist das Geräusch MEISTENS weg oder so leise dass ich es kaum höre. Im Laufe des Tages (meistens nach 2-3h, manchmal aber auch nach 3-4h) kommt er dann und wird
    hörbar. Höre ich ihn einmal, wird er tagsüber immer Lauter - bis ich wieder ins Bett gehe. Am nächsten Tag geht das Spielchen dann von vorbe los. Es gibt allerdings auch Tage da bleibt er leise. Statt zu pfeifen ist es dann, als ob ab und zu eine leise Grille im Ohr zirpt.
    Einmal hatte ich das 4 Tage am Stück. So glücklich hat mich meine Frau schon lang nicht mehr erlebt - ich war so erleichtert und war mir sicher dass es überstanden war. Dann, einen Tag später fing es wieder an zu Sausen und zu Pfeifen... Das "Arschloch im Ohr" war wieder da.
    In meiner Verzweiflung bestellte ich Sonosan Tabletten für 90 Euro. Ich weiß dass die sehr umstritten sind - aber ich wollte es nicht unversucht lassen. Die nehme ich jetzt seit einem Monat und SELBSTVERSTÄNDLICH haben sie bisher gar keinen Effekt. Ob ich mir noch eine Packung hole weiß ich noch nicht - schließlich soll man das ja mind. 3 Monate nehmen.
    Ebenfalls riet mein HNO zu Tinnitracks - viele von euch kennen das sicher. Das mach ich jetzt bereits seit knapp 4 Wochen mit einer diagnostizierten Frequenz von 12700HZ. Das ist allerdings zu früh um noch zu sagen ob es hilft oder nicht. Gebracht hat es bisher eher noch nichts.
    Im Internet gehen die Meinungen stark auseinander. Manche sind begeistert - Manche nicht. Die Tinnitusliga ist nicht sonderlich angetan - allerdings halte ich von denen nicht sehr viel.
    Jetzt sind wie bereits gesagt die magischen 3 Monate rum - und es hat sich leider nicht viel getan. Ich führe ein Tagebuch wo ich täglich festhalte, wie stark die Empfundene Belastung war auf einer Skala von 1-3. Bisher bin ich meistens bei 2. 2 heisst deutlich hörbar, meistens nervig, aber erträglich. Es gibt auch 3er Tage,
    an denen es so bösartig laut Pfeift und dröhnt dass ich absolut nichts auf die Reihe kriege. An diesen Tagen bin ich auch sehr schlecht gelaunt und sehr reizbar und leider bekommt das auch meine Frau zu spüren. Wie gesagt gibt es selten auch mal 1er Tage (das Grillenzirpen).
    Ab nächster Woche bekomme ich Physiotherapie fürs Kiefergelenk - erhoffe mir allerdings nicht viel davon.

    Die Frage ist jetzt, wie geht es weiter....
    Angeblich kann ja auch ein subakuter Tinnitus wieder verschwinden - hat hier schonmal jemand Erfahrungen gemacht? Glaubt ihr es gibt noch Erlösung für mich, oder ist das Ohr futsch?
    Ich weiß aus eigener Erfahrung dass so Nervengeschichten teils sehr lange gehen bis sie verheilt sind. Und die Tatsache dass mein Tinnitus morgens so gut wie IMMER weg ist - gibt mir Hoffnung. Wären Nerven beschädigt würde ich das doch immer hören - Oder?
    Ich werd einfach nicht schlau. Es gibt keine erkenntliche Ursache für das Auftreten/Verschlimmern des Geräusches - Ich hab schon so vieles probiert und nichts scheint helfen zu wollen. Ich bin auch sehr sehr enttäuscht von der Schulmedizin - Seit mehreren Jahrzehnten
    wurden auf diesem Gebiet KEINERLEI Fortschritte gemacht - Das kann doch nicht wahr sein.. Immerhin leiden angeblich knapp 3 Millionen Deutsche an Tinnitus.

    Mir ist bewusst, dass viele sagen werden ich soll es einfach akzeptieren und ab da wird es dann besser weil ich mich daran gewöhnen werde - Habituation und so. Ich kann mich stand jetzt absolut NICHT mit dem Gedanken anfreunden, dieses Geräusch für den Rest meines Lebens zu "Akzeptieren".
    Es mag Leute geben, die gewöhnen sich vielleicht daran. Bei meinem doch SEHR hochfrequenten Tinnitus wird das allerdings entweder sehr sehr sehr sehr schwierig oder schlichtweg unmöglich. Die Frequenz ist so extrem hoch und laut, dass nichtmal Musik mit den Noise-Canceling Kopfhörern das Geräusch erfolgreich maskiert.
    Wie man das akzeptieren soll müsst ihr mir erklären.

    Grüße,
    Sym

  • #2
    Hey Sym, auch wenn meine Antwort deine Erwartungen nicht zu treffen vermag, du wirst damit leben können und müssen. Ich kenne keinen Betroffenen, der das nicht auch geschafft hat - es braucht einfach einiges länger, als deine bisherigen drei Monate. Du wirst lernen, dich nicht mehr auf dieses fiese Geräusch zu fixieren und wirst durch genügend Ablenkung bemerken, dass dein Tini zuweilen gar nicht mehr stört, obwohl noch vollständig erhalten. Zudem gibt es kein mir bekanntes Medikament oder Behandlungsart gegen den Tinni. Versiuche dich genügend zu entspannen, höre ihm nicht mehr zu und bewerte alles Schöne und Gute in deinem Leben höher, als deinen Tinni.
    Er hat es nicht verdient, deine Aufmerksamkeit zu erlangen.

    Gruss, Heinz

    Kommentar

    Lädt...
    X