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Seit 2 Monaten Tinnitus. Bitte um Meinungen, Tipps, Erfolgsgeschichten, Mut, ...

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  • Seit 2 Monaten Tinnitus. Bitte um Meinungen, Tipps, Erfolgsgeschichten, Mut, ...

    Hallo liebe Community,

    noch vor 10 Wochen habe ich nicht mal gewusst, dass es so ein Forum gibt und hätte vermutlich auch nicht gedacht, dass ich eines Tages so verzweifelt sein werde, dass ich dankbar für die Existenz eines solchen Forums bin. Ich habe seit zwei Monaten Tinnitus. Ich hoffe, dass ich hier Leute finde, die sich meine Geschichte anhören und mir eventuell Mut zusprechen können, oder aber vielleicht sogar Leute kennen, deren Geschichte sich ähnlich zu meiner anhört und die es geschafft haben den Tinnitus vollständig zu besiegen.

    Aber nun zu mir: Ich bin 21 (m) und studiere derzeit. Alles fing - wie oben gesagt - vor zwei Monaten an. Die Prüfungsphase im Wintersemester hat sich diesmal verhältnismäßig lange über einen Monat gezogen und einige Tage vor der letzten Klausur stellte ich abends im Bett fest, dass ich auf dem rechten Ohr ein komisches Klirren habe. Es gibt nichts, mit dem ich das Geräusch beschreiben könnte, am ehesten vielleicht noch mit einer Art klirrendem Morsecode. Gleichzeitig habe ich zentralisiert ein Ton, den man am ehesten mit dem eines alten Röhrenfernsehens vergleichen kann. Es fühlt sich an, als wäre in meinem Kopf etwas "an". Nun zuerst dachte ich mir, dass ich erstmal darüber schlafe und bis zur letzten Klausur konnte ich das Geräusch auch sehr gut verdrängen, ist es mir sowieso nur dann aufgefallen, wenn es wirklich sehr ruhig um mich herum war. Direkt nach der Klausur ging es dann aber zum Arzt und nachdem ich die zahlreichen Internetforen und Posts mittlerweile rauf und runter gelesen habe, begann die wohl nicht selten Ärzteodysee:

    Die Ergebnisse kurz und knapp:

    - insgesamt 4 Hörtests (2x HNO-Praxis und 2x in der Uni-Klinik) mit immer dem gleichen Ergebnis, dass ich höre wie "ein Neugeborenes". Bei einem Versuch den Tinnitus nachzustellen kommt man auf einen Frequenzbereich zwischen 3-4 kHz, wobei der nachgestellte Ton immer noch ziemlich weit weg von "meinem" wahrgenommen Ton ist, aber zumindest Lautstärke und Tonhöhe sind in etwa in dieser Kategorie.
    - insgesamt 19 Tage Cortison-Therapie mit dem Ergebnis, dass es nichts bis allenfalls temporär sehr wenig gebracht hat.
    - durchblutungsförderne Medikamten (Betahistin) für 2 Wochen - Ergebnis: keine Besserung
    - MRT - Schädel: GOTT SEI DANK unauffällig, also auch ein Akustikusneurinom ist ausgeschlossen
    - MRT - Kiefer: unauffällig
    - Physiotherapie: verspannte Kiefermuskulatur und leichte Rotationsblockade der obersten beiden Halswirbel, wobei letzteres nach Physiotherapeut aber "meckern auf hohem Niveau" sei.
    - Aufbissschiene seit einem Monat - der Tinnitus zeigt sich unbeeindruckt
    - Kieferorthopäde: minimaler Fehlbiss (Kreuzbiss (Kopfbiss)) an ein paar wenigen Zähnen vorhanden, aber seines Erachtens äußerst unwahrscheinlich der Tinnitus-Verursacher, zumal der Fehlbiss vermutlich sowieso nur der Fachmann erkennt und mir auf Nachfrage attestiert wurde. Sonst heißt es stets nur, dass ich wohl ein schönes Lächeln und schöne Zähne habe ...
    - der Klassiker: Tebonin und Gingko - Extrakte bringen (bei mir) nichts und tun dem Geldbeutel weh ...
    - Vitamin C, Vitamin B und Magnesium werden konsequent eingenommen - auch hier zeigt sich der Tinnitus unbeeindruckt

    - weiterhin gibt es nichts, was den Tinnitus verändert: Kopfbewegungen, Kieferbewegungen, Massagen am Nacken, Kiefer, Gesicht. Der Tinnitus ist immer gleich. Einzig beim unnatürlich festen Zusammenbeißen der Zähne ist er vielleicht minimal lauter, aber das ist fast nicht nennenswert.

    Ich hatte innerhalb der letzten beiden Monate garantiert um die 35 Ärzttermine und das äußerst erfreuliche, aber in Bezug auf den Tinnitus auch in gewisserweise ernüchternde Ergebnis, ist, dass ich kerngesund bin.

    Vielleicht zu mir: Andere Menschen würden mich wahrscheinlich als extrem ehrgeizig und introvertiert beschreiben. Meine bisherige Schullaufbahn ist (ich möchte keinenfalls arrogant oder eingebildet klingen) mustergültig. Selbst im Studium sind meine Noten immer sehr gut bis gut. Mein Alltag dreht sich eigentlich nur ums Studium, Lernen, Aufgaben machen, üben, lesen, noch mehr lernen und in der Prüfungsphase dann nochmal mehr lernen als sowieo schon. Ich bin oft sehr ungeduldig und möchte gerne immer den fünften vor dem ersten Schritt machen und möglichst viel in möglichst wenig Zeit schaffen.

    Auch wenn es sich so anhören muss, als sei ich ein Vampir, der das Sonnenlicht meidet wie der Teufel das Weihwasser - ich betreibe auch gerne und viel Sport - insbesondere im Frühling - Herbst. Ich betreibe allerdings eine Sportart, die sich im Winter schlecht ausüben lässt. Die Folge war, dass ich - wenn ich ehrlich zu mir bin - diesen Winter eigentlich 4 Monate gar keinen Sport gemacht habe und wenig draußen war (mal abgesehen von alltäglichen Dingen wie Einkaufen, Weg zur Uni, mal Freunde sehen, ...). Gleichzeitig habe ich die letzten Jahre immer Ablenkung in Musik gefunden. Ich habe gerne Musik gehört und ... dumm wie man als junger Mensch vielleicht manchmal so ist ... Musik hört sich immer dann am besten an, wenn sie laut ist. Also saß ich oft mit Kopfhörern (aber eher die Muschelkopfhörer) auf voller Lautstärke vorm PC und habe mich "entspannt" (ich höre eher ruhigere Lieder, Charts, also allgemein eher Pop und überhaupt kein Hardrock oder Metal, ...). Rückblickend ist das so wahnsinnig dämlich gewesen, dass ich mich in dem Verhalten selbst nicht wieder entdecke ...
    Einige Tage bevor ich den Tinnitus bekommen habe, hatte ich ziemliche Magen-Darm-Probleme. Das ist ziemlich untypisch für mich, weil ich seit Jahren eigentlich nie Magen-Darm-Probleme hatte. Jedenfalls habe ich das auf den Stress durch die Prüfungen geschoben. Die Probleme vergingen dann nach vier Tagen und es kam der Tinnitus.

    Nun habe ich tierische Angst, dass der Tinnitus, auch gerade, weil man nichts anderes finden kann, durch die Kopfhörer und die Musik kommen. Die Vorstellung, dass der Tinnitus die Quittung der lauten Musik ist und mich nun womöglich lebenslang begleitet lässt mich wahnsinnig depressiv werden. In den vergangenen 8 Wochen, in denen mich der Tinnitus nun schon begleitet, hatte ich einige sehr sehr sehr dunkle Stunden ... Ich habe mein ganzes Leben davonschwimmen sehen: ich schaffe womöglich mein Studium nicht, wie soll ich meinen Beruf eines Tages ausüben, wie soll ich jemals wieder erholsam schlafen??.

    Der Tinnitus hat sich in den vergangene zwei Monaten wenig geändert. Er ist vielleicht etwas zentralisierter geworden, als noch am Anfang, als ich ganz klar sagen konnte, dass er nur rechts ist. Jedenfalls gibt es Tage, an denen er wirklich subjektiv empfunden lauter und störender ist. Aber auch Tage, beispielsweise in der Uni in Vorlesungen, wo ich ihn auch mal für 1-2 Stunden vergesse und mich fast schon wundere, wo er denn nun ist nur um festzustellen, dass er dann doch wieder zurückkommt.

    Für mich gibt es eigentlich nur noch zwei mögliche Ursachen für den Tinnitus: Stress und Musik. Ersteres wäre mir ganz klar lieber, wenn man das so sagen kann, als letzteres, auch wenn ich fortan voll aufgedrehte Kopfhörer aus meinem Leben verbannt habe (hoffentlich nicht zu spät).

    Ich hatte schon oben kurz beschrieben, wieso ich mich dazu entschieden habe mich hier anzumelden. Auch wenn ich hier vermutlich nicht die ultimative Lösung präsentiert bekommen werde, hat es wahnsinnig gut getan einfach mal alles von der Seele zu schreiben. Ich würde mich wahnsinnig über ähnliche Geschichten mit positivem Ausgang freuen oder generellen Mutzusprechungen oder Meinungen, Tipps, etc. Mir ist total klar, dass mein Verhalten in den letzten Monaten (nur Lernen, kein Sport, laute Musik) extrem naiv und dämlich war, das müsst ihr mir nicht mehr sagen .


    Ach ja, fast hätte ich es vergessen: bereits vor 3 Jahren (auch im Winter) hatte ich einen Hörsturz - interessanterweise auch im rechten Ohr. Das war damals schon ein ziemlicher Schock, aber nach 3 Tagen Cortison ging der restlos weg, sodass ich vermutlich nach wenigen Wochen schon wieder vergessen hatte, dass ich überhaupt einen hatte. Rückblickend war das aber vermutlich schon ein erstes Warnsignal. In der Zeit war ich leider auch psychisch ziemlich angeschlagen. Man ist ja doch in einem Alter in dem man auch andere Menschen in seinem Alter ganz interessant findet und nicht immer klappt das so, wie man sich es vielleicht in seiner eigenen rosaroten Welt vorstellt. Jedenfalls hat mich das damals sehr mitgenommen. Generell würde ich mich auch heute, aus diversen Gründen, die den Rahmen hier deutlich sprengen würden, als psychisch nicht sattelfest bezeichnen.


  • #2
    Hallo
    Ach ja, fast hätte ich es vergessen: bereits vor 3 Jahren (auch im Winter) hatte ich einen Hörsturz - interessanterweise auch im rechten Ohr. Das war damals schon ein ziemlicher Schock, aber nach 3 Tagen Cortison ging der restlos weg, sodass ich vermutlich nach wenigen Wochen schon wieder vergessen hatte, dass ich überhaupt einen hatte. Rückblickend war das aber vermutlich schon ein erstes Warnsignal.
    Das war dein erstes Warnsignal, vermutlich hast du wie andere ein sensibles Gehör, das mehr Schutz braucht.

    Verzichte auf Musik, die direkt in die Ohren schallt, meide starken Lärm.

    Physiotherapie: verspannte Kiefermuskulatur und leichte Rotationsblockade der obersten beiden Halswirbel, wobei letzteres nach Physiotherapeut aber "meckern auf hohem Niveau" sei.
    Je nach HWS könnte das deine Tinnitus-Ursache sein. Du hattest wegen den Prüfungen Stress, was dir die HWS-Muskulatur verspannte.

    Falls du auf dem Bauch schläfst, dann musst du dir das abtrainieren. Rückenschlaf ist das beste für die HWS.

    Suche dir einen guten Osteopathen, der eine Vollzeit-Ausbildung plus langjährige Erfahrung hat.

    Wenn dir die Ostepoathie nach fünf Sitzunen nicht weiterhilft, dann mache noch die Atalsttherapie ATLANTOTEQ, auch da musst du dir einen guten Therapeuten aussuchen.

    Da du nicht viel an der Sonne warst, denke auch noch an das Vitamin D. Gehe jetzt viel an die Sonne, nicht übermässig, oder nehme Lebertran ein.

    Auch mit Tinnitus kannst du ein Studium und eine Karriere machen. Gib dir für die Heilung ein Jahr Zeit, wenn du immer noch sehr "dunkle Momente" hast, dann mache noch als Unterstützung eine Psychotherapie.


    Gruss von Maria
    Zuletzt geändert von Maria V.; 01.05.2019, 09:34.

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    • #3
      Huhu Silence Seeker,


      also ich tippe mal auf die Kopfhörer, die Dir den Tinnitus beschert haben. Die mußt Du weglassen. Lärm ist Tinnitusverursacher Nr 1.
      Wenn Du Dich schonst hast Du vielleicht eine Chance, dass der Tinnitus wieder ein bisschen abheilen kann,
      ich wünsche Dir viel Glück,

      LG Travelline

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      • #4
        Danke euch beiden für die Antworten! Im Moment kriege ich noch weiter meine Physiotherapie, auch wenn ich nicht mehr davon ausgehe, dass die mir merklich helfen wird. Ich halte euch, auch wegen den bestimmt vielen Lesern, die nicht hier angemeldet sind, aber sich in meiner Geschichte vielleicht wiedererkennen auf dem Laufenden.

        Kopfhörer und jede Form von Musik sind seit 10 Wochen komplett aus meinem Leben gestrichen. Musik höre ich aktuell, wenn überhaupt, nur noch ohne Kopfhörer auf Lautstärke ... kein Witz ... 4-10 von 100. Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, ob ich kurz vor dem Tinnitus laut Musik gehört habe. Die Tatsache, dass alle Hörtest wirklich super waren, lassen mich hoffen, dass ich mir keinen Hörschaden eingehandelt habe.

        Generell ist mein Tinnitus am Abend immer subjektiv empfunden lauter und störender. Auch am frühen Morgen, nach dem Aufstehen ist es wirklich störend, während er tagsüber gerne auch mal (fast) nicht wahrnehmbar ist.

        Ich weiß nur noch, dass der Tinnitus wirklich in einer sehr stressigen Phase aufgetreten ist. Ich hatte einige Tage vor dem Auftreten Schlafstörungen, habe nur an die Prüfungen gedacht und hatte Magen-Darm-Beschwerden, wie ja oben schon beschrieben.

        Natürlich ist das reine Spekulation, aber mal angenommen der Tinnitus kommt vom Stress: Hat jemand von euch Erfahrungen mit stressbedingten Tinnitus und oder anderen Stresssymptomen? Ist es denkbar, dass sich Stresssymptome wie Tinnitus so lange ziehen?
        Zuletzt geändert von SilenceSeeker; 06.05.2019, 19:13.

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        • #5
          Natürlich ist das reine Spekulation, aber mal angenommen der Tinnitus kommt vom Stress: Hat jemand von euch Erfahrungen mit stressbedingten Tinnitus und oder anderen Stresssymptomen? Ist es denkbar, dass sich Stresssymptome wie Tinnitus so lange ziehen?
          Mit Stress und viel Arbeit allein gibt es noch keinen Tinnitus, Stress ist ein Trigger oder Co-Faktor, aber kein Verursacher.

          Ich tippe nachwievor auf die HWS.

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