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Artikel im "Spiegel" von 2004 - immer noch aktuell

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  • Artikel im "Spiegel" von 2004 - immer noch aktuell

    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31254280.html

    Der Artikel könnte auch von heute sein und enthält meines Erachtens viel Wahrheit. Allerdings wird man auch hier belehrt, dass man irgendwie selbst schuld daran sei, wenn man am Tinnitus verzweifelt - eine Sicht, die mich seit Jahren nervt. Denn niemand von außen kann es beurteilen, was der definitive Verlust relativer Stille für einen Liebhaber der Stille wie mich bedeutet.


    Der einzige Weg, damit zu leben, scheint im Moment wirklich, die Sache zu akzeptieren. Nimm den Tinnitus nicht so schwer, jetzt kommt der Hustinetten-Bär. Schon klar. Vielleicht sollte man es mal so probieren, wie es der Amadeus aus Milos-Formans Mozart Film getan hätte: "Hahaha, nein, wie komisch, da brummt was in meinen Ohren. Hahhaha, wie kurios. Und so schön laut! Bemerkenswert! Hahaha!". Das meine ich übrigens ernst. Man sollte diesen Weg ruhig mal versuchen, wenn der Tinnitus, wie die Autorin behauptet, wirklich an der negativen Bewertung der Geräusche durch unsere Ratio wächst.

    Zuletzt geändert von Klingsohr; 14.06.2019, 06:06.

  • #2
    Der Artikel ist aber dennoch einer der besten in der deutschen Presse, eben weil er das Problem der Tinnitus-Industrie offen anspricht.

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    • #3
      Ja, darum habe ich ihn ja auch hervorgekramt - auch, um zu zeigen, dass seit 2004 nichts Bahnbrechendes dazu gekommen ist, nur Experimente, die nicht fruchteten, und mit allem nur unsere Geldbeutel erleichtert werden. Das einzige, was hilft, ist die Gewöhnung. Dadurch, - und das wird oft vergessen zu erwähnen, - wird der Tinnitus um keinen db leiser. Auch "filtert" unser Gehirn ihn nicht wieder weg, das halte ich für Quatsch. Aber wir bleiben gelassener, nach dem Motto: okay, dann brummts eben (oder zischts, piepts, usw.). Gähn ... Dann konzentrieren wir uns nur besser und leichter auf etwas anderes, und das Geräusch wandert aus dem Alarm-Zentrum unserer Wahrnehmung in die Kammer "ferner liefen". So schwächen wir die "Geräusch-als-Schmerz-Interpretation" unserer Hörverarbeitung. Habe mich neulich mit einem Typen unterhalten, der auch seit vielen Jahren ohne jegliche Besserung daran leidet, über 50 ist. Er nahm das alles mit echtem Humor und meinte: "okay, wenn das eben der Preis ist für all die gute Musik, die ich machte, und die ich hörte, - dann zahle ich eben, und bereue nichts". Da bin ich noch weit davon entfernt. Moment, ich hänge mal eben ein neues Schild auf: "ferner brummten".

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      • #4
        Dann konzentrieren wir uns nur besser und leichter auf etwas anderes, und das Geräusch wandert aus dem Alarm-Zentrum unserer Wahrnehmung in die Kammer "ferner liefen". So schwächen wir die "Geräusch-als-Schmerz-Interpretation" unserer Hörverarbeitung.
        So ähnlich stelle ich mir den Vorgang der Habituation auch vor. In Gehirn bildet sich irgendwo ein neuronales Netz, welches das Muster des Tinnitus erkennt und dann eine Art "No Operation"-Schaltkreis auslöst. Die selektive Wahrnehmung bewirkt dann, dass man sich den anderen Geräuschen zuwendet und den Tinnitus dadurch "überhört".

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        • #5
          Etwas, was ich allen raten möchte, deren Tinnitus nur einseitig ist, oder, wie bei mir, eben so, das von zwei Seiten eben nur der eine als richtig nervig empfunden wird, ist, sich einmal zum Beispiel während eines gesamten Arbeitstags einen Ohrstöpsel in das "gesunde" Ohr zu stecken und somit das "kranke" Ohr zu zwingen, die Hörfähigkeit wieder zu verstärken, weil von der anderen Seite weniger kommt. Eine der 120 Theorien, wie Tinnitus entsteht, besagt ja, dass nach einem Hörsturz bei der Wiederherstellung der Hörfähigkeit "geschlampt" wird, weil, - evolutionär bedingt, - Schnelligkeit (es geht ja darum, den Säbelzahtiger anschleichen zu hören) dabei vor Genauigkeit geht. Es wird also bei den Synapsen und neuronalen Verbindungen gepfuscht, und damit Kanäle geöffnet, die plötzlich mitschwingen, oder ein Nachdröhnen verursachen. Nun aber, wenn das "kranke" Ohr plötzlich mehr leisten muss, wird es sich stark überlegen, ob diesen überflüssigen, von innen kommenden Tönen so viel Aufmerksamkeit in der Hörverarbeitung weiter gewidmet werden darf, oder ob das Hören nach außen verstärkt werden muss - könnte ja ein Tiger kommen. Ich habe es die letzten Tage so gemacht, und es geht mir etwas besser. Wenn die Außenwelt nur noch über das eine Ohr gehört werden kann, wo sonst der Tinnitus protzt, lagern sich die realen Außentöne automatisch über den Tinni, der dann kleinlaut wird. Dazu habe ich weiter an muskulären Verspannungen gearbeitet, jene durch Akupressur zu lindern - auch das kommt sehr gut an. Der kritische Moment bleibt das Aufwachen am Morgen - da brummt es immer und immer wieder wie im Trafohaus. Aber schon die 5 Minuten Radfahrt zur neuen Arbeitsstelle wirken Wunder, und der Mist ist fast bis in die Nacht nur noch sehr leise.

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