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Tinnitus- und Hyperakusis-Management mit auric Hörhilfen

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  • Tinnitus- und Hyperakusis-Management mit auric Hörhilfen

    Dr. med. Theo Wesendahl
    Facharzt für HNO-Heilkunde
    Dipl. Physiker / Audiologie

    Was ist eigentlich Tinnitus und welche Hörprobleme können den Tinnitus begleiten?

    Der Begriff Tinnitus leitet sich aus der lateinischen Sprache vom Perfektstamm des Verbs tinire ab. Die exakte Übersetzung bedeutet: das Geklingele, das Geläute, das Geschelle. Allgemein versteht man im medizinischen Bereich unter dem Begriff Tinnitus Geräusche in einem oder beiden Ohren oder auch Geräusche im Kopf. Diese können ständig oder gelegentlich wiederkehrend auftreten und werden sehr unterschiedlich wahrgenommen, z. B. als Rauschen, Pfeifen, Zischen, Pulsieren. Dabei kann der Tinnitus von einem Untersucher wahrgenommen werden (objektiver Tinnitus) oder von dem Betroffenen nur allein (subjektiver Tinnitus).

    Bei einem großen Teil der Tinnitusbetroffenen liegt begleitend eine Hyperakusis vor. Unter Hyperakusis versteht man eine erhöhte Lärmempfindlichkeit mit herabgesetzter Unbehaglichkeitsschwelle unter 100 dB. Die Betroffenen neigen dazu, schon nicht so lauten Schall zu meiden, was zu einer Verschlimmerung der Hyperakusis führen kann. Als weiteres Hörproblem kann neben dem Tinnitus und der Hyperakusis auch eine Schwerhörigkeit vorliegen.

    Ist Tinnitus eine Krankheit und warum leiden so viele Menschen unserer modernen Zeit darunter?

    Tinnitus ist keine Krankheit, sondern tritt häufig als Symptom einer Krankheit auf. Deshalb ist es notwendig, dass zunächst der Arzt nach Ursachen des Tinnitus sucht, um diese beheben zu können. Die häufigste Ursache sind Innenohrschäden durch Einwirkung von zu lautem Schall (z. B. Knalltrauma, Lärmarbeit, Diskothekenlärm). Hierbei entsteht durch die Schallwelle ein Schaden an den "Sinneshärchen" der Haarzellen im Innenohr, was zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Hörsystems führt. Aber auch eine Reihe anderer Erkrankungen des äußeren, Mittel- und Innenohres sowie Erkrankungen der zentralen Hörbahn können einen Tinnitus auslösen (z. B. Ohrenschmalzpfropf, Tubenkartarrh, Hörsturz, Erkrankung des Hörnervs etc.).

    Seltener kann der Tinnitus bei Herz-, Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen der Halswirbelsäule oder auch Erkrankungen des Kiefergelenkes verursacht werden. Zur Beseitigung des Symptoms Tinnitus ist deshalb zunächst die Erkennung der verursachenden Krankheit erforderlich. So ist im Einzelfall nicht nur eine Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Untersuchung, sondern auch eine internistische, neurologische, zahnärztlich-kieferorthopädische oder auch orthopädische Untersuchung notwendig. Wichtig ist ebenso der Informationsaustausch mit dem Hausarzt.

    Der Tinnitus kann aber durch sein ständiges Vorhandensein ein psychosomatisches Krankheitsbild entwickeln, das häufig verursacht wird durch allgemeinen Stress. Körper und Psyche werden unter anderem durch Tempo, Lärm und Leistungsdruck in unserer modernen Zeit belastet und können die ständige Wahrnehmung des Tinnitus unerträglich werden lassen.

    Wie häufig ist ein Tinnitus?

    Tinnitus ist eines der am häufigsten beschriebenen Symptome in der HNO-Arztpraxis. So ergeben Untersuchungen in den USA, dass 17 % der Bevölkerung (44 Mio. US-Bürger) einen Tinnitus ständig wahrnehmen. Für 10 Mio. von dieser Gruppe stellt der Tinnitus ein wichtiges Problem dar und für weitere 2 Mio. ist es eine ihre Lebenssituation ruinierende Wahnehmung. In anderen Industriestaaten liegt eine vergleichbare Häufigkeitsverteilung vor. Eine Untersuchung in Deutschland ergab ferner, dass etwa 250.000 Einwohner jedes Jahr zur Gruppe der chronisch Tinnitusbetroffenen hinzukommen.

    Was ist der Unterschied zwischen einem akuten und einem chronischen Tinnitus und welche Bedeutung hat dieser Unterschied für die Behandlung?

    Ein Tinnitus wird als akut bezeichnet, wenn er nicht älter als drei Monate ist. Lässt sich der Tinnitus nicht als Symptom einer bestimmten Krankheit erklären, die gegebenenfalls gezielt therapiert werden muss, wird der akute Tinnitus mit durchblutungsfördernden Medikamenten oder auch der hyperbaren Sauerstofftherapie behandelt. In vielen Fällen lässt sich hierdurch der Tinnitus beseitigen. In dieser Phase ist Beratung und Aufklärung über den Tinnitus und seine Ursachen, Auslöser sowie den medizinischen Hintergrund notwendig, wie auch das Erkennen von besonderen akuten Belastungsreaktionen. Es ist das erste Ziel der ärztlichen Tätigkeit, den akuten Tinnitus nicht chronisch werden zu lassen.

    Ein Tinnitus wird als chronisch bezeichnet, wenn er länger als drei Monate besteht. Dann wird die Heilung bzw. Beseitigung des Tinnitus mit den oben beschriebenen Therapiemaßnahmen eher unwahrscheinlich und es kann sich ein psychosomatisches Krankheitsbild entwickeln verbunden mit Einschlaf- und Konzentrationsstörungen oder anderen körperlichen Beschwerden. Die dauerhafte Wahrnehmung der Ohrgeräusche erzeugt bei den Betroffenen eine Stressreaktion, die mitunter mit erheblichen Beeinträchtigungen einhergeht. Die Betroffenen geraten in einen Teufelskreis bestehend aus Tinnitus Wahrnehmung - Aufmerksamkeitslenkung auf den Tinnitus - negative emotionale Empfindung des Tinnitus - Beeinträchtigung der Lebenssituation und verstärkte Aufmerksamkeitslenkung auf den Tinnitus.

    Für die Bewältigung des chronischen Tinntius haben E. Biesingener und K. V. Greimel ein Behandlungskonzept entwickelt, das sich aus einer Einteilung nach dem Belastungsgrad des Tinnitusbetroffenen ergibt.
    • Grad 1: Der Tinnitus ist nicht störend.
    • Grad 2: Der Tinnitus stört in ruhiger Umgebung. Er wird verstärkt wahrgenommen in Stresssituationen.
    • Grad 3: Der Tinnitus führt zu verschiedenen psychischen Störungen und reduzierter Lebensqualität. Der Betroffene ist ständig auf seinen Tinnitus focussiert und der Tinnitus bereitet private und berufliche Probleme.
    • Grad 4: Der Tinnitus macht ein normales Leben unmöglich. Der Betroffene ist nicht länger in der Lage seine Arbeit fortzuführen und psychische oder psychiatrische Störungen sind mit dem Tinnitus verbunden.


    Die klinische Gradeinteilung hat ein differenziertes Behandlungskonzept zur Folge:

    Für die Tinnitubetroffenen mit Grad 1 ist eine Behandlung in der Regel nicht notwendig, lediglich eine Aufklärung über das Untersuchungsergebnis und eine Beratung über Ursachen, Auslöser und den medizinischen Hintergrund sind notwendig.

    Beim Grad 2 ist eine Tinnitus Retraining Therapie indiziert sowie gegebenenfalls ein Entspannungstraining.

    Für Betroffene mit dem Grad 3 ist eine psychotherapeutische Diagnostik erforderlich und abhängig von diesem Ergebnis eine Tinnitus Retraining Therapie oder eine Behandlung von Begleiterkrankungen (z. B. Depression, Angstneurose), gegebenenfalls mit zusätzlicher Tinnitus Retraining Therapie oder psychologischer Verhaltenstherapie.

    Beim Grad 4 ist eine kurzzeitige intensive stationäre Behandlung indiziert, die im wesentlichen das Therapiekonzept der Tinnitus Retraining Therapie enthält.

    Was versteht man eigentlich unter Tinnitus Retraining Therapie (TRT)?

    Die Tinnitus Retraining Therapie (TRT) wurde von dem Amerikaner P. J. Jastreboff und dem Engländer J. Hazell entwickelt. Sie geht von dem neurophysiologischen Tinnitusmodell aus, bei dem der Tinnitus als Phantomwahrnehmung - Empfindung einer nicht vorhandenen akustischen Sinnesreizung - erklärt wird: Im Hörnerv findet sich gewöhnlich ein Muster neuronaler Aktivität, das im Innenohr erzeugt wird. Ohne Schallbelastung des Ohres liegt eine zufällige elektrische Aktivität im Hörnerv vor, kein spezifisches Muster. Im Tinnitusfall nimmt man an, dass "das normale Muster" dieser Spontanaktivität im Hörnerv gestört ist. Der subcortikale Anteil der Hörbahn analysiert das Erregungsmuster und klassifiziert dieses Signal nach Bedeutung und Wichtigkeit. Zahlreiche Verbindungen zum lymbischen System (Bereich der Gefühle und Emotionen) und autonomen Nervensystem können Furcht, Aggressionen oder Ärger sowie Änderungen in den Körperfunktionen auslösen. Frühere Erfahrungen bahnen eine konditionierte Antwort oder einen Reflex. Das Tinnitussignal wird in den auditorischen Hirnarealen wahrgenommen und auch in anderen cortikalen Feldern bewertet.

    Wenn der Tinnitus als ein negatives Ereignis und als eine potenzielle Bedrohung angesehen wird, wird dieses Signal verstärkt und ständig den auditorischen Hirnarealen präsentiert. Der Leidensdruck des Tinnitusbetroffenen entsteht über die Verbindung zum lymbischen System, in dem Emotionen und Gefühle verarbeitet werden. Das autonome Nervensystem kann aktiviert werden und verursacht z. B. Muskelverspannungen, Herzklopfen, "Gänsehaut" etc.

    Erstes Ziel der Tinnitus Retraining Therapie ist, die Reaktionen auf den Tinnitus im Bereich des lymbischen Systems und des autonomen Nervensystems zu reduzieren. Im zweiten Schritt kann der Patient den Tinnitus aus seinem Bewußtsein trainieren, so weit dass er ihn auch zeitweise nicht mehr wahrnimmt, auch wenn er sich gezielt darauf konzentriert. Dieses Ziel wird durch eine Geräuschtherapie erreicht. Dabei wird der Kontrast zwischen der durch den Tinnitus verursachten neuronalen Aktivität in der zentralen Hörbahn und der neuronalen Hintergrundsaktivität verkleinert durch Unterlegung des Tinnitussignals mit Umgebungsgeräuschen (Soundenrichment). Es kommt zu einer Interferenz der neuronalen Signalmuster, sodass das Tinnitussignal nicht mehr so intensiv wahrgenommen wird.

    Im Rahmen dieser Geräuschtherapie werden leise, konstante, breitbandige, "neutrale" Geräusche, wie z. B. Geräusche von Springbrunnen und Brandungsrauschen oder Regenplätschern eingesetzt. Dies kann z. B. durch geeingnete Geräusch-CDs ermöglicht werden, die nicht nur über die Stereoanlage, sondern auch über eine Hörhilfe mit Audioanschluß oder Induktionsschleife, die z. B. an einen Discman angeschlossen ist, abgespielt werden kann (siehe Geräteprogramm).

    Jastreboff hat bei der Tinnitus Retraining Therapie eine Hörhilfe eingesetzt, die zuvor ausschließlich als Masker benutzt wurde. Er setzte diesen Masker jedoch nicht zur vollständigen Maskierung des Tinnitus ein, sondern zur Geräuschunterlegung im Sinne der Verkleinerung des Kontrastes zwischen der Lautstärke des Umgebungsgeräusches und der des eigenen Tinnitus bzw. zur Teilmaskierung. Die Tinitusmasker der neuen Generation stellen eine Weiterentwicklung dar und ermöglichen eine flexible Einstellung des Therapiegeräusches.

    Jastreboff und Hazell differenzieren bei dem Kollektiv der Tinnitusbetroffenen auch neben dem Tinnitus eine Hyperakusis, eine Schwerhörigkeit oder auch eine Verschlimmerung der Tinnitus- und Hyperakusisproblematik bei Lärmbelastung. Je nach vorliegenden Beschwerden kann anstatt eines Tinnitusmasker der neuen Generation ein Tinnitus-Instrument (Kombination aus einem Hörgerät und einem Masker der neuen Generation) oder auch nur ein Hörgerät angepasst. Diese Entscheidung ist im Team (HNO-Arzt - Hörgeräteakustiker) zu treffen.

    Was ist ein auric Tinnitusmasker der neuen Generation?

    Ein auric Tinnitusmasker der neuen Generation zeichnet sich durch seine besonders große Flexibilität aus, denn er eignet sich nicht nur zur vollständigen Maskierung, sondern auch zur Teilmaskierung und insbesondere für das Habituationstraining bei der Tinnitus Retraining Therapie. Er wird in einer HdO-Version und IO-Version gebaut. Ziel bei der Therapie mit dem auric Tinnitusmasker der neuen Generation ist es, ein möglichst breitbandiges aber auch veränderbares Geräusch zu erzeugen. Dabei ist Lärm (englisch "noise") nicht erwünscht. Eine Kontrolle bzw. Einflußnahme auf den Tinnitus ist durch die Hörhilfe allein nicht möglich, sondern nur in Zusammenhang mit einem medizinischen Therapiekonzept.

    Wie bekomme ich einen auric Tinnitusmasker der neuen Generation, ein Tinnitus-Instrument oder Hörgerät?

    Diese Hörhilfen werden nach der Untersuchung durch den HNO-Arzt verordnet und in Kooperation mit dem Hörgeräteakustiker eingesetzt. Nach der Heil- und Hilfsmittel Verordnung wird ein Masker, ein Tinnitus-Instrument oder ein Hörgerät in den Kosten bis zu einem Festbetrag erstattet. auric Hörsysteme hat hierzu ein differenziertes Hörhilfenprogramm entwickelt.

    Was habe ich beim Retraining des Tinnitus oder der Hyperakusis zu beachten?

    Setzen Sie den Masker gleich morgens nach dem Aufstehen ein.
    Tragen Sie das Gerät 6 Stunden am Tag, wenn möglich länger.
    Die Tragedauer ist individuell festzulegen und kann auch in mehrere Zeitabschnitte unterteilt werden.
    Zu Beginn der Therapie sollte die Lautstärke des Rauschens am Gerät so eingestellt werden, dass es gerade gehört wird.
    Die Lautstärke des therapeutischen Rauschens steht nicht zwangsläufig in direktem Zusammenhang mit der Lautstärke des Tinnitus.
    In den mit dem Arzt abgesprochenen Abständen sollte die Einstellung des Maskers überprüft und eventuell weiter erhöht werden.
    Eine Anhebung der Lautstärke des Rauschens, so dass eine vollständige oder teilweise Maskierung der Ohrgeräusche eintritt, ist in bestimmten Fällen sinnvoll. Hierzu sollte mit dem behandelnden Arzt Rücksprache genommen werden.
    Bei Anwendung des Maskers sollte der Patient sich öfter bemühen, die akustische Wahrnehmung auf das Rauschen zu konzentrieren.
    Wenn der Tinnitus gegen Ende des Tages lauter erscheint, sollte die Lautstärke des Maskers an den nächsten Tagen etwas herabgesetzt werden.
    Wenn der Umgebungslärm zu laut wird, so dass anhaltend das Maskergeräusch nicht mehr wahrgenommen werden kann, sollte der Masker nicht in dieser Umgebung getragen werden.
    Der therapeutische Effekt, das heißt die Herabsetzung der Wahrnehmungsempfindlichkeit des Tinnitus, wird frühestens nach 2 Wochen einsetzen. Wenn der Tinnitus bereits länger besteht und sehr ausgeprägt ist, kann der therapeutische Effekt auf sich warten lassen.
    Wenn der Tinnitus nicht mehr wahrgenommen wird, kann die Behandlung beendet werden.
    Bei erneutem Auftreten des Tinnitus kann der Masker wieder eingesetzt werden.
    Stille sollte vom Tinnituspatienten gemieden werden, wie auch gehörschädigender Lärm.
    Meiden Sie hörschädigenden Lärm.
    Vermeiden Sie Lärm und laute Musik.
    Überprüfen Sie zusammen mit Ihrem Arzt, ob die von Ihnen eingenommenen Medikamente einen Einfluss auf den Tinnitus haben können, insbesondere ob sie gehörschädigend sind.
    Halten Sie sich nicht in Stille auf.

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