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Grundlagen der Retraining-Therapie

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  • Grundlagen der Retraining-Therapie

    Dr. med Eberhard Biesinger
    Facharzt für HNO-Heilkunde

    Die Namen Jonathan Hazell und Pawell Jastreboff können als Wegbereiter für ein neues Konzept der Therapie des chronischen Tinnitus genannt werden. Ihre grundsätzlichen physiologischen Überlegungen gehen dabei weg von der isolierten Betrachtung nur des Innenohres als ursächliches Organ bei Ohrgeräuschen, hin zur Beachtung des zentralen Hörsystems als dem System, das für die Kompensation eines chronischen Tinnitus verantwortlich zu machen ist.

    Das Tinnitusmodell von Hazell und Jastreboff ist deshalb gekennzeichnet von einer stärkeren Berücksichtigung der Physiologie der zentralen Anteile des gesamten Hörsystems und deren Benützung bei der Therapie: dem Innenohr fällt mehr oder weniger nur die Funktion des "Mikrophons" zu. Auf der Ebene des Hirnstammes sind die primitiven, mit dem akustischen System auslösbaren Reflexe zu berücksichtigen.

    Stationen

    Ein Beispiel hierfür ist die Flucht- und Abwehrreaktion bei plötzlichem Lärm, z.B. das Hupen eines Autos im Straßenverkehr mit unwirkürlicher Fluchtbereitschaft. Die Beteiligung dieser Ebene äußert sich beim Tinnituspatienten in der Auslösung von Ängsten und Streßreaktionen. Die höheren akustischen Zentren sind verknüpft mit dem limbischen System, also unserer Gefühlswelt. Diese Verknüpfung wird uns bewußt beim Hören von angenehmer Musik, bzw. bei der Belästigung durch unangenehm empfundene Geräusche.
    All diese Stationen unseres Hörsystems modellieren den Höreindruck, den wir im primären Hörzentrum schließlich bewußt wahrnehmen. Einem Filtersystem ähnlich ist das zentrale Hörsystem in der Lage, die akustischen Signale aus dem Innenohr von der Verknüpfung mit den subcorticalen Zentren fernzuhalten. Dieses Filtersystem ist das physiologische Korrelat für die Tatsache, daß nur ca. 30 Prozent der umgebenden Geräusche von uns bewußt wahrgenommen werden.

    Filterfunktion gestört

    Das Modell von Hazell und Jastreboff geht davon aus, daß diese Filterfunktion im Falle eines Tinnitus gestört ist. Tinnitus wird dann wahrnehmbar und zur Krankheit, wenn diese hemmenden Systeme geschädigt sind und nicht mehr effektiv funktionieren. Der therapeutische Ansatz, der aus diesen Vorstellungen resultiert, ist die Desensibilisierung der zentralen Prozesse gegenüber dem Ohrgeräusch: es wird versucht, die gestörte Filterfunktion des Hörsystems wieder herzustellen und die akustische Wahrnehmung vom Tinnitus abzukoppeln.

    Keine Medikamente

    Dieses Training führt dazu, dass der Tinnitus als nicht mehr störend empfunden wird und in vielen Fällen soll es möglich sein, daß er überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird.
    Entsprechend ihrer Vorstellungen ist für Hazell und Jastreboff eine Therapie des Innenohres mit Medikamenten, Infusionen oder der hierzulande kontrovers diskutierten hyperbaren Sauerstofftherapie beim chronischen Tinnitus nicht mehr sinnvoll, da die Beeinflussung dieser zentralen Verarbeitungsprozesse damit nicht möglich ist. über eine erfolgreiche Retrainingtherapie kann der Patient sein Ohrgeräusch aus seinem Bewußtsein verlieren, soweit, daß er es auch nicht mehr hört, wenn er sich gezielt darauf konzentriert.
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